
Nehmen
wir die blosse Phantasie. Eine phantasierte Farbe ist keine
Gegebenheit im Sinne einer Empfindungsfarbe. Wir unterscheiden die
phantasierte Farbe von einem Erlebnis des Phantasierens dieser Farbe. Das
Mir-vorschweben der Farbe (um es roh auszudrücken) ist ein Jetzt, ist eine
seiende cogitatio, die Farbe aber selbst ist keine jetzt
seiende Farbe, sie ist nicht empfunden. Andererseits in gewisser Weise
gegeben ist sie doch, sie steht mir ja vor Augen. So gut wie die Em-pfindungsfarbe
kann auch sie reduziert werden, durch Ausschluss aller trans-zendenten
Bedeutungen, die bedeutet mir also nicht Farbe des Papiers, Farbe des Hauses
und dgl. Alle empirische Existenzsetzung kann suspendiert werden; dann nehme
ich sie genau so, wie ich sie „schaue, quasi „erlebe“.
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Ein
reeller Teil des Phantasieerlebnisses ist sie aber trotzdem nicht, sie ist
eine nicht gegenwärtige, sondern vergegenwärtigte Farbe, sie steht gleichsam
vor Augen, aber nicht als reelle Gegenwart. Aber bei alledem ist sie erschaut
und als erschaute ist sie in gewissem Sinne gegeben. Ich setze sie damit
nicht als physische Existenz, ich setze sie auch nicht als Existenz im Sinne
eine rechten cogitatio; denn diese ist ein
reelles Jetzt, eine Gegebenheit, die mit Evidenz als Jetztgegebenheit
charakterisiert ist. Dass die Phantasiefarbe in dem einen und anderen Sinn
nicht gegeben ist, besagt doch nicht, dass sie es in keinem Sinne ist. Sie
erscheint und erscheint selbst, sie stellt sich selbtst dar, sie selbst in
ihrer Vergegenwärtigung schauend kann
ich über sie
urteilen . . .
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über die
sie konstituierenden Momente und deren Zusammenhänge. Natürlich sind auch
diese im selben Sinn gegeben und nicht „wirklich“ existierend im gesamten
Phantasieerlebnis, nicht reell gegenwärtig nur „vorgestellt“. Das reine
Phantasieurteil,das bloss ausdrückt den Inhalt, das singuläre
Wesen des Erscheinenden kann sagen: dies ist so geartet, enthält diese
Momente, verändert sich so und so, ohne im geringsten über Existenz als
wirkliches Sein in der wirklichen Zeit, über wirkliches Jetztsein,
Vergangensein, Künftiges zu urteilen. Wir können also sagen, über die
individuelle Essenz wird geurteilt und nicht über die Existenz.
(Phänomenologie
des JETZT) |